Zur Geschichte des Emser Blei-Zink-Erzbergbaus

(Kurzfassung) 

Bergbau in Bad Ems ist vermutlich schon zur Zeit der römischen Besetzung (ca. 90 bis 260 n. Chr.) anzunehmen. Ein als römisch gesichertes Schmelzwerk am Blöskopf sowie Tagebaue in dessen Nähe lassen diesen Schluss zu. Dort wurden bis weit über das Mittelalter hinaus im sogenannten "Eiserne Hut" der nach über Tage ausstreichenden Blei-Zink-Erzgänge ein minderwertiges Eisenerz (Brauneisenstein) abgebaut.

 Die erste schriftliche Erwähnung liegt mit einer Urkunde aus dem Jahre 1158 vor, in welcher Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) den Trierer Erzbischof Hillin die Rechte an den "Silbergruben zu Ems" verlieh. Dies, und auch ein späterer Streit um die Bergwerke, sind Anzeichen für einen wohl zu dieser Zeit regen und bedeutenden Betrieb. Es folgen Jahrhunderte ohne Hinweise auf den Zustand der Betriebe und dort umgehenden Erzabbau. Vermutlich lag der Bergbau über weite Zeit still. Im 18. Jahrhundert spricht man von regem Bergbau im 14. und 15. Jahrhundert. 

Alter, in Schlägel-und-Eisen-Arbeit aufgefahrener Stollen am Blöskopf.

Foto: F.Girmann

 

Erst mit dem Jahr 1766 beginnt dann die eigentliche Blütezeit des Unternehmens. Johann Remy aus Bendorf, Spross einer lothringischen Industriellendynastie, begann planmäßig die maroden Gruben aufzukaufen und zu einem Unternehmen zusammenzuschließen. 1781 übernahm die "Gewerkschaft Remy, Hoffmann und Co." sämtliche Betriebe. 1872 wandelte man die bergbauliche Gewerkschaft in die "Aktiengesellschaft des Emser Blei- und Silberwerks" um, welche dann 1909 mit der späteren "Stolberger Zink AG" fusionierte. Bis 1972 war dieses Unternehmen Eigentümerin der Emser Bergwerke.

 Die Blütezeit im Emser Erzbergbau lag im 19. Jahrhundert, sowie die Jahre vor und während der beiden Weltkriege. Insbesondere im 2. Weltkrieg nahmen die bergbaulichen Aktivitäten wegen der Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches immense Formen an. Erwähnt sei hier auch der Einsatz von Kriegsgefangenen im Erzabbau und der Förderung. Mit Ausfall der Stromversorgung gingen am 19. März 1945 die Bergwerke unter Wasser. Nach dem Krieg sah man aus wirtschaftlichen Gründen von einer Wiederaufnahme des Erzabbaus ab. Lediglich die Zentralaufbereitung Silberau kam bis zum Sommer 1959 mit Fremd- und Haldenerz in Betrieb.

 Zahlen und Fakten

Einige Zahlen: der tiefste Schacht war der Seitrich-Schacht der Grube Neuhoffnung mit einer Gesamtteufe von 892,11 Metern. Diese Grube hatte 15 Tiefbausohlen (unter Talniveau), sowie 4 Hochbausohlen. Weitere Bergwerke waren die Grube Bergmannstrost, die Grube Fahnenberg, die Grube Pfingstwiese, der Betriebspunkt Tollgraben sowie die Grube Silberkaute bei Arzbach. Das Erzbergwerk war auch unter der Sammelbezeichnung "Mercur" bekannt. Über eine Förderstrecke auf der 11. Sohle war seit 1939 die Grube Neuhoffnung mit den Abteilungen Pfingstwiese und Tollgraben verbunden. Der höchste Personalstand war im Jahre 1880 mit 1.634 Beschäftigten in Bergwerken, Aufbereitung, Bleischmelze und Nebenbetrieben. Die Förderzahlen des gleichen Jahres lauten: 17.828 t Bleierz, 2.954 t Zinkerz. 1942 wurden 6.413 t Bleierz und 14.798 t Zinkerz gefördert. Die im 19. und 20. Jahrhundert geförderte Gesamt-Roherzmenge betrug 2,8 Millionen Tonnen.

 Standorte der Betriebe

Die Grube Bergmannstrost (früher Grube Linnebach) lag südlich der Lahn hinter dem heutigen Bahnhof Bad Ems West. Die anderen Bergwerke lagen sämtlich nördlich der Lahn in den östlichen Bergen des Emsbachtals. Die Erze wurden von dort mit einer Schmalspureisenbahn ("Werksbahn") auf die Lahninsel Silberau zur Erzwäsche (Aufbereitung) transportiert. Dort befindet sich heute die Kreisverwaltung des Rhein-Lahn-Kreises. Das aufbereitete Erz ging anschließend in die Blei- und Silberhütte, die wieder im Emsbachtal lag. Noch heute heißt dieser Stadtteil "Emser Hütte".

 Noch sichtbare Zeugnisse

Am Bahnhof Bad Ems West hat sich bis heute mit der sogenannten "Zentrale" das 1903 erbaute Kraftwerk der Grube erhalten. Es ist das bedeutendste Bauzeugnis der Bad Emser Bergbauzeit und präsentiert sich nach der Sanierung (2003) wieder in alter Pracht. Im Pitschbachtal steht die Ruine des steinernen Adolph-Schacht-Förderturms. Nahe des Blöskopfes steht mitten im Wald als Rest der Untertage-Dampferzeugung Pfingstwiese noch ein alter Kamin. Architektonisch gestaltete Stollenmundlöcher sind beim Neuhoffnungsstollen und Stadtstollen zu sehen. Letzter Baukörper der Schmelze ist das Steigerhaus, das heute das "Emser Bergbaumuseum" beherbergt. Wohnsiedlungen der Bergarbeiter sind in den Straßen Eisenbach, Arzbacher Straße und Lindenbach erhalten - jedoch mehr oder weniger stark in der Substanz verändert. Dies gilt auch für die Schlafhäuser (Menagen) in der Ernst-Born-Straße und Arzbacher Straße. Fast vollständig als Fuß- und Radweg begehbar ist die Trasse der Werkseisenbahn. Auf der Insel Silberau beherbergt heute das Pförtnerhaus der Erzaufbereitung einen Hersteller für KFZ-Schilder. Große Bergehalden befinden sich noch heute auf der Insel Silberau (saniert) sowie im Fröschbachtal auf Nieverner Gemarkung.